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Alltagsfotos aus der DDR - der Bestand "Bild 226 Nachlass Hans Martin Sewcz"
"Als freier Künstler fotografierte ich im Selbstauftrag und habe mich somit nicht dem verordneten Optimismus des DDR-Journalismus unterordnen müssen" - so der Berliner Fotograf Hans Martin Sewcz in einem Schreiben an das Bundesarchiv. Da seine Bilder diese Aussage bestätigten, hat das Bundesarchiv gerne das Angebot von Hans Martin Sewcz angenommen und eine Auswahl seines Fotoschaffens übernommen. Die Fotos wurden unter dem Bestand "Bild 226 Nachlass Hans Martin Sewcz" verzeichnet.
Das Besondere seiner Aufnahmen ist der Kontrast zum Bestand "Bild 183 Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst - Zentralbild", der das etwa fünf Millionen Fotos umfassende Archiv der zentralen Nachrichten- und Bildagentur der DDR beinhaltet und das offiziell gewünschte DDR-Bild überliefert. Sewcz' Bilder dagegen haben einen anderen Blickwinkel: Sie zeigen in eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Bildern das ungeschönte Alltagsleben in den Großstädten der DDR - vornehmlich in Berlin und Leipzig - und auch auf dem Land. Sewcz zeigt die verfallenden Innenstädte der DDR, die bröckelnden Fassaden der alten Häuser und die Menschen, die darin leben, den Abriss von Altbausubstanz und die großen Brachen, die Krieg und Abriss hinterließen. Sewcz thematisiert das Straßenleben, die Schaufenster, Rentner und immer wieder Jugendliche und spielende Kinder: auf der Straße, in Hinterhöfen, in verfallenen und auch schon eingerissenen Häusern oder in Plattenbauvierteln. Man sieht junge Männer und Frauen, die im Wehrlager der Gesellschaft für Sport und Technik oder im Lager für Zivilverteidigung an einer vormilitärischen Ausbildung teilnehmen müssen. Eine kleine Reihe von Bildern zeigt den völlig verwahrlosten jüdischen Friedhof in der Berliner Schönhauser Allee. Neben eindrucksvollen Porträts einfacher Handwerker und Arbeiter beinhaltet der Bestand auch die von jungen Autoren und Bildhauern sowie bekannten Schauspielern wie Jaecki Schwarz oder Dieter Mann.
Hans Martin Sewcz wurde 1955 in Halle/Saale geboren, studierte von 1975 bis 1981 an der Leipziger Hochschule für Graphik und Buchkunst und schloss das Studium als Diplom-Fotografiker ab. Seit den 1970er Jahren fotografierte er und lebte nach dem Studium als freiberuflicher Fotograf in Ost-Berlin. 1984 beantragte er die Ausreise in die Bundesrepublik, die 1988 bewilligt wurde, woraufhin er nach West-Berlin übersiedelte. Sewcz stellte in deutschen und internationalen Galerien und Museen aus und lebt heute in Berlin-Mitte.
Die vorliegende Sammlung gibt einen Überblick über die 257 Fotos von Sewcz, die im Bundesarchiv vorliegen, vollständig erschlossen und in dieser Bilddatenbank erreichbar sind.